Hintergrund


Was ist „Sport ohne Grenzen“?

Asylbewerber sollen die Chance bekommen, gleichwertige und vollwertige Mitglieder in den Abteilungen der Freien Turnerschaft Würzburg 1899 e.V. zu werden, ohne das ihnen dabei Kosten entstehen.

Wer sind die Freien Turner Würzburg?

FT Würzburg

Freie Turnerschaft Würzburg 1899 e.V., Mergentheimer Straße 13c, 97082 Würzburg, Haltestelle Judenbühlweg, Homepage

 

Chronologie

Den ersten Kontakt mit Asylbewerbern hatte ich im Herbst 2013, als ich mit meiner Lebensgefährtin Shiloe, welche schon vor mir ehrenamtlich in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft tätig war, ein gemeinsames Abendessen mit den Asylbewerbern besuchte. Bereits an diesem Abend machte ich mir Gedanken darüber, wie ich diesen Menschen in ihrer Notsituation helfen könnte und fragte sie, ob sie die Möglichkeit hätten, Sport zu treiben. Da dafür kaum Angebote vorhanden waren, reifte in mir die Idee, daran etwas zu ändern, da ich selbst Mitglied eines Sportvereins, der Freien Turner Würzburg, bin.

Ich sprach meine Idee innerhalb unseres Vereins an und stieß auf offene Ohren. Schließlich konnte ich mit Maximilian Zott einen weiteren Fußballer gewinnen, der mir bei der Organisation half. Zusammen besuchten wir einen Workshop des Lokalen Aktionsplans Würzburg (LAP). Die vielfältige Förderung des LAP richtet sich an Projekte und Aktionen, die Diskriminierung, Rassismus und Intoleranz bekämpfen. Auch dort erhielten wir für unseren Plan positive Rückmeldungen.

Da das Projekt nun konkrete Züge annahm, tauschten wir uns mit dem Vereinsvorstand und mit den Abteilungsleitern der Freien Turner aus mit dem erfreulichen Ergebnis, dass alle Beteiligten der angedachten Durchführung zustimmten. Schließlich reichten wir also die Bewerbung um Fördermittel des LAP ein und versuchten vor Ort in der Gemeinschaftsunterkunft Kontakt zu Asylbewerbern, die organisierten Sport treiben wollten, herzustellen. Sehr hilfreich waren dabei andere Ehrenamtliche, die mit den Flüchtlingen arbeiten, allen voran Eva Peteler, Mitverantwortliche für den Heimfocus. Beim ersten Mal holte ich die Asylbewerber selbst ab und brachte sie zum Training, um die erste Hemmschwelle zu senken. Seitdem bekommen sie jedesmal nach ihrer Teilnahme Fahrkarten für den Nahverkehr, damit sie beim nächsten Mal wiederkommen können.

Der offizielle Projektbeginn war der 01. April 2014, da die Förderung durch den LAP zu diesem Zeitpunkt begann. Wir sind froh, seitdem auch viele weitere Sponsoren und Förderer gefunden zu haben, die die langfristige Durchführung des Projekts ermöglichen.

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Ideologischer Hintergrund

Wenn man von Missständen in der heimischen Gesellschaft erfährt, hat man prinzipiell zwei Möglichkeiten, wie man darauf reagieren kann. Entweder man tut nichts, da man kein Problem mit dem Missstand hat oder weil man der Meinung ist, allein nichts ändern zu können; oder man macht Gebrauch von den Mitteln, die einem in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft zur Verfügung stehen und ändert etwas.

Ich bin mir des Glücks bewusst, in ein Leben hineingeboren geworden zu sein, in dem ich weder Krieg und Vertreibung noch Hunger und Armut kennenlernen musste. Die meisten anderen Menschen auf der Welt hatten bei ihrem Geburtsort weniger Glück. Ein paar von ihnen zu helfen ist mein Weg, demütig etwas von dem zurückzugeben, was mir der Zufall geschenkt hat. Außerdem ist ehrenamtliche Arbeit etwas, dass meinem Leben Sinn und Inhalt gibt. Ich bin davon überzeugt, dass wir wahre Erfüllung erst dann finden, wenn wir auch Dinge tun, die in erster Linie nicht unserem eigenen Wohl dienen.

Menschlichkeit ist blind! Auch wenn diese Aussage auf den ersten Blick verwirrend klingt, so soll sie verdeutlichen, dass jeder Mensch das gleiche Recht hat, gut behandelt zu werden. Zu oft lassen wir uns von Oberflächlichkeiten täuschen, aber wahre Menschlichkeit unterscheidet nicht zwischen Hautfarben und Religionen, Ethnizitäten und Nationalitäten, Alter oder Geschlecht, sexuelle Orientierung oder private Vorlieben. Bei Sport ohne Grenzen sind prinzipiell alle Menschen willkommen.

Die Grundlage des Miteinanders kann dabei nur das deutsche Grundgesetz sein. Wer Mitglied bei den Freien Turnern Würzburg wird muss akzeptieren, dass Frauen gleichberechtigt sind, dass keine Religion besser als die andere ist, dass Homosexualität keine Krankheit ist, etc. Gewinnen können dabei beide Seiten. Die Asylbewerber, da sie die Möglichkeit bekommen, etwas sinnvolles mit ihrer Zeit anzufangen. Bei Jugendlichen redet man oft von der wichtigen präventiven Rolle des Sports. Noch besser trifft diese Argumentation aber auf Asylbewerber zu, die oft psychisch belastet sind und dringend einen körperlichen Ausgleich benötigen. Sport ist nun einmal der ungezwungenste und einfachste Zugang zur Integration. Doch auch die Deutschen können von dem Projekt profitieren, indem sie durch den direkten Kontakt eventuelle Vorbehalte abbauen, denn Vorurteile sind immer dort am größten, wo der Kontakt und die Aufklärung am geringsten sind.

Madiama Diop

Grenzen abbauen

Um den Asylbewerbern die Chance zu geben, sich komplett zu integrieren ist es unser Ziel, sie zu vollwertigen und gleichberechtigten Mitgliedern zu machen, die auch am Wettkampfbetrieb teilnehmen. Um ihnen das zu ermöglichen, übernehmen wir Dank unserer Sponsoren die Kosten für Nahverkehr, Sportausrüstung, Mitgliedsbeiträge, gesellschaftliche Zusammenkünfte, etc. Nur der Eigenantrieb, nicht aber Rahmenbedingungen sollen darüber entscheiden, ob ein Asylbewerber ein vollwertiges Mitglied bei den Freien Turnern Würzburg werden kann.

Die Grundsätze dabei sind Gleichheit (im Vergleich zu deutschen Mitgliedern), Freiwilligkeit (niemand wird zur Teilnahme gezwungen), Hilfsangebote (falls benötigt, individuell verschieden) und Nachhaltigkeit (das Projekt soll möglichst zu einer festen Institution in Würzburg werden).

Mittlerweile haben schon dutzende Asylbewerber – manche nur kurz, manche dauerhaft – an unserem Sportangebot teilgenommen. Das schöne am Sport ist, dass während eines Spiels oder Wettkampfs Christen, Moslems, Atheisten, etc. für den gleichen Verein auflaufen können – und niemand stört sich daran.

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Perspektiven

  • Gewinn weiterer Asylbewerber als Mitglieder
  • Langfristige Weiterführung und Etablierung des Projekts
  • Finanzierung auf solide Beine stellen
  • Guten Ruf als offener und toleranter Verein weiter ausbauen
  • Synergien nutzen, Kooperationen aufbauen
  • Die Möglichkeiten der Basisdemokratie nutzen
  • Zum Musterbeispiel für Integration werden
  • Menschen, die Hilfe brauchen, helfen!

 

Zu Guter Letzt

Abschließend ein Dank an alle Personen, die dabei mithelfen, dass dieses tolle Projekt durchgeführt werden kann. Wir können nicht allen Menschen helfen, die Hilfe benötigen, aber jeder einzelne Person, der man helfen kann, ist den Einsatz wert. Es ist eben keine Bestimmung, dass wir relativ sorgenfrei Leben können, sondern Glück. Wären wir in einer Notsituation, wir würden uns auch wünschen, dass man uns hülfe. Welche Entschuldigung gibt es also dafür, nichts zu tun?

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