Die Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit

München: Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat zur Ehrung ehrenamtlicher Helfer geladen, die sich für die Integration von Flüchtlingen in ihrem Sportverein einsetzen. Als Veranstaltungsort dient ein edles Varieté-Theater, aufgetischt wird auch ordentlich. Zwischendurch klopfen sich Vertreter des BFV auf der Bühne gegenseitig für ihre tolle Arbeit auf die Schulter. Für die geladenen ehrenamtlichen Helfer gibt es einen lauwarmen Händedruck.

Ein edles Casino im Süden Bayerns: Zur Überreichung von Fördermitteln werden ehrenamtliche Helfer vom Bayerischen Landessportverband und von Lotto Bayern eingeladen. Mit dabei: Ein Flüchtling unseres Vereins, dem gönnerisch ein 50-Euro-Schein zugesteckt wird, damit er sich im Casino austoben kann. Serviert werden – überspitzt gesagt – gefüllte Giraffenhälse. Im Nobelhotel wartet anschließend die Sauna.

Deutscher Bundestag, 29. Januar 2016: Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat ehrenamtliche Helfer zum gegenseitigen Austausch zu einer Tagung nach Berlin eingeladen. Profitieren möchte die Partei von funktionierenden Ideen der Basis bei der Integration von Flüchtlingen. Die Aufrichtigkeit dieser Intention scheint allerdings zweifelhaft, wenn die anwesenden Politiker entweder nur für das Pressefoto erscheinen oder auf ihrem Smartphone rumtippen, sobald jemand anderes als sie selbst sprechen. Medienwirksam überreicht wurden die von den Teilnehmern formulierten Verbesserungsvorschläge aber natürlich trotzdem.

Gut, so schlecht war die Aktion der Grünen mit Sicherheit nicht, da man als ehrenamtlicher Helfer zumindest einmal die Chance hatte, im Bundestag zu Wort zu kommen. Viel eklatanter sind die beiden anderen genannten Beispiele: Ehrenamtliche Helfer stehen nur im Rampenlicht, wenn sich die Veranstalter selbst in Szene setzen können. Erleichterungen der Arbeit im Alltag sind damit oft nicht verbunden – und wären dennoch so wichtig.

Man ist dabei, einen jungen Flüchtling in seinen Verein zu integrieren aber weiß nicht, wie lange er überhaupt noch in der Nähe wohnen wird, ob er eine Ausbildung beginnen oder einen Sprachkurs besuchen darf, wie lange sein Asylverfahren noch dauern und wie es ausgehen wird. So mag es nicht sofort einleuchten, warum die Süddeutsche Zeitung ein paar ehrenamtlichen Helfern einen großen Artikel widmet, in dem es lediglich darum geht, dass eben jene Helfer einer Ehrung im bayerischen Landtag fernbleiben wollen. Doch wenn man sich mit der Thematik beschäftigt weiß man, wie unaufrichtig solche Schulterklopfer manchmal erscheinen, wenn die gleichen Institutionen Wasser auf die erbaute Sandburg gießen, deren Erbauung sie loben.

2016 kamen weit weniger Flüchtlinge nach Deutschland als im Jahr zuvor. Obwohl uns Studien, Experten, ja der gesunde Menschenverstand sagen, dass die Integration all dieser Menschen viele Jahre und große Mühen beanspruchen wird, wird an bestimmten Stellen, die daran beteiligt sind, schon wieder gespart. Gerade in der so wichtigen sprachlichen und beruflichen Ausbildung hakt es, wie dieser Artikel beschreibt.

Hinzu kommen immer weitere Verschärfungen des Asylrechts, die die Chancen auf Ausbildung, Arbeit und psychologische Behandlung immer weiter erschweren und so auch bei den Helfern die offensichtliche Frage aufwerfen, inwiefern Integration überhaupt gewollt ist.

Es braucht also weniger Schulterklopfer, weniger Selbstbeweihräucherung, sondern mehr Planungssicherheit. Schnelle, faire Asylverfahren sowie faire Zugänge zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt helfen nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch den vielen ehrenamtlichen Helfern, ohne die das Versagen der Regierung bei der Versorgung der Flüchtlinge in einer Katastrophe hätte enden können.

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