Zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Fingerspitzengefühl

Man hat ja manchmal so seinen Ärger mit den Sportverbänden. Als wir beispielsweise vor gut einem Jahr beim Bayerischen Fußballverband (BFV) anfragten, ob man uns bei unserem Integrationsprojekt finanziell unter die Arme greifen könnte, stießen wir auf taube Ohren. Nun, wo das Thema in aller Munde ist und öffentlichkeitswirksam gehandelt werden soll, bekamen wir als einer von vielen Vereinen, die Flüchtlinge aufnehmen, 500 Euro von der Egidius-Braun-Stiftung (ehemaliger Präsident des Deutschen Fußball Bunds DFB) zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen nun fünf paar Fußballschuhe, die der BFV „unseren“ Asylbewerbern spendet.

18.10.15 BFV Spende

Natürlich möchte ich nicht undankbar erscheinen, aber es bleibt eben ein „Geschmäckle“, wenn man dann hilft, wenn die ganze Welt hinsieht, andererseits aber Fingerspitzengefühl vermissen lässt, wenn es um bürokratische Hürden geht. So kann man hier beispielsweise nachlesen, warum ein minderjähriger somalischer Flüchtling nicht für den FC Würzburger Kickers in der Jugend spielen darf, obwohl er sich dort wohl fühlt:

Fides – Er will doch nur spielen!

Hinzu kommen die nervigen Passanträge für Ausländer, bei denen man etwa zwei Monate auf die Genehmigung warten muss, denn bei ausländischen Spielern wird immer der Heimatverband angeschrieben, ob bereits ein Spielerpass vorliegt. Doppeltes Spielrecht wäre nämlich nicht erlaubt. Ob bei den derzeitigen Flüchtlingen in Damaskus, Kabul oder Bagdad irgendjemand die Post des DFB ernst nimmt – wenn sie denn überhaupt ankommt – darf bezweifelt werden. Davon abgesehen: Warum spielt es im Amateurbereich überhaupt eine Rolle, ob ein Spieler beispielsweise in Syrien und in Deutschland spielberechtigt ist? Würde er sich zwischen den Partien etwa hin- und herfliegen lassen?

Auf ein weiteres Hindernis sind wir nun mit einem 18-jährigen Ghanaer, ebenfalls Flüchtling, gestoßen. Um die A-Jugend-Mannschaften in Bayern zu stärken, wurden die Einsatzmöglichkeiten der Jugendlichen im Herrenbereich beschränkt. An sich nachvollziehbar. Bei fehlendem Fingerspitzengefühl führt das aber dazu, dass ein 18-jähriger Flüchtling, der sich bei uns wohlfühlt, dreimal in der Woche beim Training ist und sich die Spiele ansieht, nicht für uns spielen darf. Denn: Wir haben keine A-Jugend – und in dem Fall darf kein Spieler für uns auflaufen, der vom Alter her für eine A-Jugend spielen könnte. Eine Bitte um eine Ausnahmegenehmigung mit dem Verweis auf die besonderen Umstände wurde vom BFV abgelehnt. Bleibt zu hoffen, dass auch solche Details und überflüssigen Hürden irgendwann im öffentlichen Diskurs ankommen – und die Verbände ihre Fahne dann wieder in den Wind hängen.

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