„Sport ohne Grenzen“ – ein Gewinn für unsere Stadt

Gastbeitrag:

Muchtar Al Ghusain ist Referent der Stadt Würzburg für Kultur, Schule und Sport. Als ideeller Unterstützer steht er hinter dem Integrationsprojekt „Sport ohne Grenzen“.

Muchtar Al Ghusain

Wir stehen vor einer großen Herausforderung – als Gesellschaft, als Politiker, als Kommune, als Mitmenschen. Das Thema Asylbewerber bewegt uns aktuell so sehr wie kaum ein weiteres. Immer mehr Menschen kommen zu uns, weil sie aus ihrer Heimat fliehen müssen. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe, die in unserer Augen oft als mehr oder weniger „schlimm“ bewertet werden. Abgesehen von der Frage, ob wir uns diese Bewertung überhaupt anmaßen dürfen und sollten, haben alle Ursachen mit Sicherheit eines gemeinsam: niemand verlässt freiwillig seine Heimat, seine Familie, seine Freunde und macht sich unter meist katastrophalen Bedingungen auf die lange Reise nach Europa, wenn die Lebensumstände ihn nicht dazu zwingen würden. Oder was müsste Ihnen widerfahren, damit Sie Ihre gewohnte Umgebung gegen eine unsichere Zukunft eintauschen? An dieser Stelle sollte sogar noch einen Schritt weitergegangen werden: Selbst wenn die Lebensbedingungen in den Heimatländern der Flüchtlinge nicht von Todes- und Folterangst geprägt sind, sollten Menschen doch dennoch auch ohne tragische Biographie zu uns kommen dürfen. Einfach, weil sie es möchten, oder etwa nicht?

Als Bürger eines Landes, von dem einst entsetzliches Leid ausging, sollten wir uns heute zu besonderer Mitmenschlichkeit, Solidarität und Gastfreundschaft verpflichtet fühlen. Grundsätzlich, aber auch im Besonderen gegenüber Flüchtlingen, die – warum auch immer – zu uns kommen. Es ist an uns, sie mit Freundlichkeit zu empfangen.

Damit dies gelingen kann, ist eine Vielzahl an Hilfestellungen nötig. Das große Rad der Asylpolitik werden wir wohl nicht so schnell drehen können, wie es eigentlich unabdingbar wäre. Umso wichtiger ist es in der Zwischenzeit, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren, sich mit den Flüchtlingen solidarisieren und dabei helfen, die teils unmenschlichen Zustände in Sammellagern durch Menschlichkeit ein klein wenig erträglicher zu gestalten. Auch wenn dies eigentlich Aufgabe der Politik ist und Ehrenamtliche dafür nicht ausgebeutet werden dürfen, so hilft das Engagement den Asylbewerbern im Ergebnis dennoch. Und das ist es, was zählt.

Ein Puzzelteil ist dabei das Projekt „Sport ohne Grenzen“, welches die Schaffung eines Sportangebotes für Bewohner der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft im Fokus hat. Es wird die Möglichkeit eröffnet, an dem Angebot des Sportvereins „Freie Turnerschaft Würzburg 1899 e.V.“ teilzunehmen, ohne dass dabei Kosten für die Beteiligten entstehen. Die Idee des Projektes ist auf vielfältige Art und Weise charmant: Zum einen ist es organisatorisch verhältnismäßig leicht zu handhaben, da es sich an bestehenden Strukturen des Vereins orientiert und diese nutzt. Zum anderen sind die anfallenden Kosten überschaubar, die lediglich durch Transport von und zu den Sportstätten, die Mitgliedsbeiträge und in Einzelfällen durch die Anschaffung von Sportequipment entstehen. Das macht das Projekt leicht realisierbar. Natürlich musste auch hier die eine oder andere Hürde genommen werden, was aber gelingen konnte.

Durch die Teilnahme der Asylbewerber an Trainings und Wettkämpfen passiert Integration auf ganz praktische und niederschwellige Art und Weise, die weit über den Sport hinausgeht. So werden Freundschaften geknüpft, man lernt gegenseitig die verschiedenen Kulturen kennen, bereichert sich dadurch und tut ganz „nebenbei“ noch etwas für seine Gesunderhaltung durch die körperliche Betätigung.

Besonders freut mich für unsere Stadt, dass sich mit der Entstehung des Projektes nun auch der Sport auf den Weg macht, gesellschaftlich aktuelle Herausforderungen im Rahmen seiner Möglichkeiten anzugehen. Ist er es doch gerade, der Begegnungen zwischen Menschen schafft, eine internationale Sprache spricht und daher für Integration so vielfältige Möglichkeiten bietet. Ich wünschte mir, „Sport ohne Grenzen“ würde als Leuchtturmprojekt unserer Region verstanden und steckt weitere Vereine mit Tatendrang an. Dem Projekt und seinen Machern wünsche ich alles erdenklich Gute und werde es weiterhin gerne unterstützen.

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