Der Freizeitsportverein Dornberg 2010 e.V.

Gastbeitrag:

Ein sehr schönes Sportprojekt aus dem benachbarten Baden-Württemberg, vorgestellt von FSV-Vereinsmitglied Frederik Böna.

 

Wir, der Freizeitsportverein (FSV) Dornberg 2010 e.V., haben seit unserer Gründung im März 2010 das Ziel, den Asylbewerbern im Asylbewerberwohnheim in Hardheim im Neckar-Odenwald-Kreis eine Möglichkeit zu bieten, sich in einem Sportverein engagieren zu können und nicht nur aktiv Sport treiben zu können, sondern vor allem auch über den Fußball Kontakte zu den einheimischen Vereinsmitgliedern zu knüpfen. Dazu dient vor allem das Fußballtraining, das ein- bis zweimal wöchentlich stattfindet.

Im Asylbewerberheim in Hardheim sind seit einigen Jahren zahlreiche Asylbewerber aus den unterschiedlichsten Ländern und mit den unterschiedlichsten Kulturen und Religionen untergebracht. Sehr viele dieser Asylbewerber sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und befinden sich völlig alleine in dem für sie so fremden Deutschland. Während es den Kindern im Asylbewerberheim durch die Schule möglich ist, Kontakte zu knüpfen und dadurch Fuß im gesellschaftlichen Leben in Hardheim zu fassen, ist dies für die Asylbewerber nur sehr schwer möglich, insbesondere auch, weil es im relativ kleinen Hardheim nur wenige Möglichkeiten für junge Menschen zur sinnvollen Freizeitgestaltung gibt und es nahezu jährlich weniger Möglichkeiten werden, da auch in Hardheim der demographische Wandel mittlerweile deutlich zu spüren ist. Während in den meisten Vereinen Asylbewerber leider nicht besonders gerne gesehen werden, richtet sich unser Verein über den Fußball explizit an die Asylbewerber in Hardheim. Das Ziel ist es, die vielen Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Kulturen im Verein zu integrieren und möglichst auch Freundschaften zu den übrigen Vereinsmitgliedern entstehen zu lassen, was erfreulicherweise auch hervorragend funktioniert. Die Asylbewerber sollen in unserem Verein nicht nur Fußball spielen können, sondern auch die Möglichkeit besitzen, sich in einem eingetragenen Verein engagieren und auch etwas bewegen zu können.

Die Mitglieder und Spieler des Vereins unternehmen mittlerweile auch außerhalb des Fußballs viele Dinge gemeinsam in ihrer Freizeit, was insbesondere für die Asylbewerber von unschätzbarem Wert ist. Abende, an denen bei einem gemeinsamen Abendessen ein Fußballspiel im Fernsehen angeschaut wird, sind mittlerweile bereits ebenso Tradition, wie Abende, an denen gemeinsame Spiele – häufig auch Spiele aus den Ländern der Asylbewerber – gespielt werden.

Die Asylbewerber, die Mitglied in unserem Verein sind, kommen derzeit aus Afghanistan, Gambia, Eritrea, Nigeria, Kamerun, Somalia, Mazedonien, aus dem Iran, aus dem Irak, aus dem Kosovo, aus dem Libanon und aus Syrien. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien wuchs vor allem die Zahl der Syrer, die sich unserem Verein anschlossen, stark an. Derzeit sprechen alle Anzeichen dafür, dass die Zahl der Asylbewerber in Hardheim durch die zunehmenden Konflikte insbesondere in der arabischen Welt weiter steigen wird, was vermutlich auch die Zahl der Asylbewerber in unserem Verein erhöhen wird. So traurig es letztendlich auch ist, dass immer mehr Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen, wir freuen uns über jeden weiteren Asylbewerber und betrachten ihn als zusätzliche Bereicherung für unseren Verein, ganz gleich aus welchem Land er auch stammt oder welcher Religionsgruppe er angehört.

Aufgrund der zahlreichen Asylbewerber im Verein wurden zu Beginn des vergangenen Jahres zwei Asylbewerber, einer aus Syrien, der andere aus Nigeria, in den erweiterten Vorstand mit aufgenommen, damit auch bei Vorstandssitzungen die Asylbewerber durch zwei Personen vertreten sind.

Sehr wichtig ist uns auch, dass wir einheimischen Vereinsmitglieder den Asylbewerbern unseres Vereins immer wieder im Alltag helfen und sie beispielsweise bei Behördengängen begleiten. Wenn ein Asylbewerber schließlich aus dem Asylbewerberheim in Hardheim ausziehen und sich eine eigene Wohnung suchen darf, helfen wir ebenfalls bei der Wohnungssuche und oft auch beim Umzug.

Seit der Saison 2011/2012 nimmt der FSV Dornberg außerdem erfolgreich am Spielbetrieb in der Kreisliga C (Reserverunde) im Fußballkreis Buchen teil und schloss gleich die erste Saison auf dem ersten Platz in der Fairnesstabelle ab, worauf alle sehr stolz waren und auch jetzt noch sind. Zudem nimmt der Verein an Turnieren in der Region teil und ist auch immer wieder ein gern gesehener Gast für ein Freundschafts- bzw. Einlagespiel. Insbesondere der TSV Merchingen lädt uns mittlerweile schon seit Jahren nicht nur zu seinem jährlichen Sportfest ein, sondern immer wieder auch zu Vorbereitungsspielen und nach jedem dieser Spiele finden im Anschluss teilweise noch lange Gespräche der Merchinger Spieler, Betreuer und auch Zuschauer mit unseren ausländischen Spielern statt, sodass wir uns in Merchingen wirklich wohl fühlen und immer wieder gerne die Reise dorthin antreten.

Möglich ist all dies nur, da wirklich jedes unserer einheimischen Mitglieder voll und ganz hinter unserer Vereinsphilosophie steht. Da wir leider keinen eigenen Sportplatz haben – wir trainieren auf dem Sportplatz bzw. in der Sporthalle der Hardheimer Carl-Schurz-Kaserne, dürfen dort allerdings keine Heimspiele austragen – haben wir ausschließlich Auswärtsspiele und müssen folglich zu jedem Spiel fahren. Ein Großteil der Vereinsmitglieder kommt aus den umliegenden Ortschaften Hardheims und ist somit ohnehin immer gezwungen, mit dem Auto zu fahren. Der Umstand, dass wir so viele Asylbewerber haben, die natürlich alle kein Fahrzeug besitzen, stellt uns vor jedem Spiel vor eine große Herausforderung. Vor einigen Spielen müssen sich daher immer wieder einige Vereinsmitglieder dazu bereit erklärten, die Strecke zu einem Spielort zweimal zu fahren, um die für das Spiel nominierten Asylbewerber zum Spielort zu bringen. Auf die öffentlichen Verkehrsmittel kann leider nicht zurückgegriffen werden, da das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln in unserer ländlichen Region sehr zu wünschen übrig lässt, insbesondere am Wochenende. Beschwert darüber hat sich bis jetzt noch kein einziges einheimisches Mitglied, was mehr als deutlich zeigt, wie sehr jedes einzelne Mitglied hinter unserem Projekt steht und dieses unterstützt.

 

Mannschaftsfoto für Stephan

Die Mannschaft des FSV Dornberg, ein Musterbeispiel für Integration und menschliches Miteinander.

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Ein Gedanke zu „Der Freizeitsportverein Dornberg 2010 e.V.

  1. Wir von der Ackermann-Gemeinde Würzburg durften uns bei der aktiven Teilnahme an einem Training vom gelungenen Integrationsprojekt in Hardheim überzeugen. Es wäre schön, wenn – nach der Aufhebung der Residenzpflicht – auch die „Grenze“ zwischen Bayern und Baden-Württemberg durchlässiger würde. Ich freue mich auf ein Freundschaftsspiel zwischen den beiden Mannschaften auf dem Heuchelhof in Würzburg.

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